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Strategie⏱ 3 Min. Lesezeit

Brauche ich noch ein Bewerbungsschreiben? (2024)

Das Anschreiben ist einer der umstrittensten Teile der Bewerbung. Viele Unternehmen verlangen es noch, andere haben es explizit abgeschafft. Und Studien zeigen, dass es oft das am wenigsten gelesene Dokument im Bewerbungsprozess ist. Was also tun?

Was Recruiter wirklich lesen

Mehrere Studien zum Bewerbungsprozess zeigen ein konsistentes Bild: Recruiter verbringen im Durchschnitt 6–8 Sekunden mit dem ersten Scan eines Lebenslaufs. Das Anschreiben wird in vielen Fällen erst gelesen, wenn der Lebenslauf bereits positiv aufgefallen ist – also als Ergänzung, nicht als Einstieg. In einigen Unternehmen und besonders bei digital eingereichten Bewerbungen wird es gar nicht gelesen.

Das bedeutet nicht, dass das Anschreiben nutzlos ist. Aber es bedeutet, dass du deine Energie zuerst in den Lebenslauf investieren solltest – denn dieser entscheidet, ob das Anschreiben überhaupt beachtet wird.

Wann das Anschreiben wirklich hilft

Es gibt Situationen, in denen ein Anschreiben einen echten Mehrwert liefert: bei Karrierewechsel oder ungewöhnlichem Werdegang (du musst erklären, warum du trotzdem passt), bei Initiativbewerbungen (es gibt keine Stellenanzeige, auf die du reagierst), in traditionellen Branchen wie Recht, Verwaltung oder Banken, wo Formalitäten noch ernst genommen werden.

In diesen Fällen kann ein gutes Anschreiben tatsächlich den Ausschlag geben – weil es Kontext liefert, den der Lebenslauf allein nicht leisten kann. Der Schlüssel: Es muss individuell sein. Ein generisches Anschreiben ist schlimmer als gar keines.

Wann das Anschreiben schadet

Ein Anschreiben schadet, wenn es den Lebenslauf nur wiederholt – das ist eine verschwendete Chance und lässt auf mangelnde Kreativität schließen. Es schadet auch, wenn es zu lang ist (mehr als eine Seite), zu formell und steif klingt oder generisch wirkt (kein konkreter Bezug zum Unternehmen oder zur Stelle).

In vielen Tech-Unternehmen, Startups und internationalen Firmen ist ein ausführliches deutsches Anschreiben schlicht unüblich. Hier kann ein zu formelles Anschreiben sogar als kulturell falsch wirken – als ob du die Unternehmenskultur nicht verstehst.

Die moderne Alternative: Cover Note oder LinkedIn-Nachricht

Immer mehr Bewerber ersetzen das klassische Anschreiben durch eine kurze Cover Note – 3–5 Sätze, die direkt im E-Mail-Text oder als erstes Feld im Bewerbungsformular stehen. Der Vorteil: kompakt, direkt, auf den Punkt. Du nennst warum du dich bewirbst, was dich auszeichnet und was dein Mehrwert für diese Stelle ist.

Eine gut formulierte LinkedIn-InMail oder Direktnachricht an den Recruiter kann ebenfalls sehr wirksam sein – besonders wenn du direkt Kontakt aufnimmst, bevor du formal bewirbst. Kurz, persönlich, auf die Person und das Unternehmen zugeschnitten: Das schlägt jedes Standard-Anschreiben.

Fazit: Strategie statt Pflicht

Das Anschreiben ist kein Selbstzweck mehr. Die Antwort auf „Brauche ich noch eins?" lautet: Kommt drauf an. Schau dir die Stellenanzeige an. Wird es explizit verlangt? Dann schreib ein individuelles. Ist es optional oder nicht erwähnt? Dann ist ein präziser Lebenslauf oft wirkungsvoller.

Wenn du ein Anschreiben schreibst, dann mit echter Substanz: Warum genau dieses Unternehmen? Warum genau jetzt? Was kannst du konkret beitragen? Wer diese drei Fragen überzeugend beantwortet, hat ein Anschreiben, das gelesen wird – und Wirkung hat.

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